Das Schweigen des Geistes

Wenn ich ein Bambusschwert in der Hand halte, das nach Form, Gewicht usw. meiner Neigung besonders entgegenkommt, versetze ich mich leicht in einen Zustand, wo mein Körper mit dem Schwert eins wird. Es versteht sich von selbst, daß das Fechten jedes Interesse verliert, wenn man sich von dem Wunsch becherschen läßt, einen Kampf zu gewinnen oder seine technische Geschicklichkeit zu demonstrieren. Erst wenn die Gedanken verscheucht sind, wenn man nicht einmal mehr an seinen Körper denkt, kann man den Zustand des Einsseins erreichen: Dann bin ich das Schwert, und das Schwert ist ich, denn zwischen uns beiden ist nichts Zerstörendes mehr. In der Psychologie nennt man diesen Zustand Muga ("Nicht-Ich" oder "Nicht-Geist"), und er entspricht vielleicht dem, was die Buddhisten einen "Zustand des Entleertseins" nennen. Man ist frei von allen Gedanken und Gefühlen, die den Gebrauch irgendeiner Technik stören Könnten, und man fällt in seine seelische "Urverfassung" zurück, die nun jedes körperlichen Jochs ledig ist.
Man könnte meinen, daß der Fechter ein Sonderfall sei, weil er einer lebendigen Person gegenübersteht, die jeden Augenblick zuschlagen kann, aber ich glaube nicht an diese Besonderheit, denn der Marionetten-Vorführer und der Fechter erreichen einen Zustand der Identifikation, der ganz unabhängig von ihren Zielen eintritt. In einem solchen Augenblick sehe ich nicht mehr den Gegner vor mir, der mich bedroht, sondern ich verwandle mich in den Gegner; und es geht ganz so zu, als ob jede Bewegung, jeder Gedanke des Gegners mein wäre. Intuitiv, oder vielmehr unbewußt, ist mir dann klar, wie und wann ich zuschlagen muß. All dies finde ich ganz natürlich.
Takano Shigeyoshi